TRAUMPHASE

„Analoges wird digital“

Vom siebten bis neunten März verwandelt sich die Ingolstädter Harderbastei in einen Ort, wo digitale und analoge Welten miteinander verschmelzen: „Traumphase“ ist die Kunstperformance eines Ingolstädter Künstlerteams, die Kunst und Musik zu einem multimedialen Gesamtkunstwerk verweben. PSW unterstützt als einer der Förderer das audiovisuelle Erlebnis. Im Interview sprechen Mike Herbig, einer der Traumphase-Künstler und zugleich Audi-Ingenieur, und PSW-Innovationsexpertin Isabel Wesche über Kunst, Algorithmen und empathische Fahrzeuge.

Redaktion: Künstler und Ingenieur zugleich – Eine recht ungewöhnliche Mischung. Nach deinem Abschluss als Diplom-Ingenieur hast du bei Audi angefangen und dann zehn Jahre später noch ein Kunstdiplom abgelegt. Was hat deine Begeisterung für Kunst geweckt?

Mike: Meine Begeisterung für Kunst war schon immer da. Als ich zehn Jahre alt war, wurde mir bereits ein gewisses Talent zugesprochen. Deswegen hat man mich in der Schule gefördert und in den 90er Jahren hat mich der Maler Wolfram Wegener betreut. Er war lange Zeit wie eine Art Mentor für mich.

Trotzdem hast du einen technischen Berufsweg eingeschlagen.

Mike: Ja, aber das ist für mich kein zwingender Widerspruch. Nach meinem Abschluss in Feinwerktechnik bin ich 1998 bei Audi eingestiegen. Im Laufe der Zeit habe ich mich dort zunehmend mit Themen in der Vorentwicklung beschäftigt. Meinen künstlerischen Drang verlor ich nie. Deswegen habe ich von 2008 bis 2013 ein Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München angehängt. Bei meiner Arbeit als Ingenieur schöpfe ich sehr viel aus meiner künstlerischen Seite. Neue Perspektiven und neue Blickwinkel schaffen Raum für neue Methoden und Formate – das gilt für mich als Künstler und Ingenieur zugleich. Zudem ist Kreativität ein Katalysator für Ideen und wer wirklich innovieren will, muss frei denken können.

PSW automotive engineering GmbH: Traumphase/prototypenfreie Entwicklung
Mike Herbig und Isabel Wesche beim Interview in der Harderbastei.
PSW automotive engineering GmbH: Traumphase/prototypenfreie Entwicklung
Die Arbeitsräume der Harderbastei sind bunt und sprühen vor Kreativität.

Isabel, welche Rolle spielt Kreativität für dich bei deiner Arbeit in der Vorentwicklung?

Isabel: Sie ist enorm wichtig. Ich kann Mike nur zustimmen. Vor meiner Zeit in der Vorentwicklung war ich im Projektmanagement. Klare Leitplanken und Zeitschienen haben dort das Tagesgeschäft bestimmt. Der Wechsel in die Vorentwicklung war wie ein Sprung in den freien Raum. Ich musste erst lernen, frei zu denken. Wenn wir innovative Lösungen für unsere Kunden entwickeln, dann arbeiten wir viel mit Kreativtechniken wie Design Thinking. Das hilft uns, erste Ideen zu visualisieren und Funktionalitäten zu testen.

Die digitale Welt hält immer mehr Einzug in unseren Alltag. Kunst war aber stets viel von Haptik geprägt. Skulpturen, Gemälde, Druckerzeugnisse: Man hatte immer etwas zum Anfassen. „Traumphase“ verwebt nun analoge und digitale Kunstwelten miteinander. Was macht den Reiz dabei aus?

Mike: Wir machen hier etwas ganz Neues – das ist der Reiz. Die Kunstwerke interagieren mit der Musik der Claudius Konrad Band. Normalerweise sind Bilder statisch und Klänge vergänglich. Bei „Traumphase“ ist das anders: Bilder werden dynamisch und Töne sichtbar. Das gelingt durch die Softwareentwicklung von Stephan Windischmann. Er hat über zwei Jahre die entsprechenden Algorithmen entwickelt, damit Kunst und Musik perfekt aufeinander abgestimmt sind. Die Live-Musik wird in Echtzeit durch die Software in Projektionen umgewandelt und die Kunstwerke dadurch animiert. Analoges wird digital. Das wird die Besucher in ihren Bann ziehen.

PSW automotive engineering GmbH: Traumphase/prototypenfreie Entwicklung
Der Eingang zur Harderbastei mit dem PSW Logo.
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Vor der Premiere ist die Band fleißig am Proben.

Analoges wird digital: Eine Entwicklung, die auch ganz klar in der Automobilindustrie stattfindet.

Isabel: Absolut. Früher musste man mit einem Haken die Heckklappe fixieren, damit sie einem nicht auf den Kopf fällt. Heute muss man sie noch nicht mal anfassen, damit sie sich automatisch öffnet. Generell findet bei der Interaktion mit dem Fahrzeug ein ganz starker Wandel vom Analogen ins Digitale statt. Es müssen nicht mehr Tasten gedrückt oder Hebel betätigt werden. Das Abrufen von Funktionen geschieht zum Beispiel immer mehr durch Sprachbefehle.

Was bedeutet „digital“ bei PSW?

Isabel: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Auf die Fahrzeugentwicklung bezogen bedeutet es, dass virtuelle Prozesse und Technologien Einzug halten. Ein wichtiger Baustein für eine prototypenfreie Entwicklung ist Virtual Reality (VR). Hiermit können wir die Fahrzeugentwicklung effizienter und kostengünstiger gestalten. Zudem ist VR ein gutes Mittel, um Bauräume oder Designkonzepte erlebbar zu machen und somit das schnellere Treffen von Entscheidungen zu unterstützen. In der Vorentwicklung arbeiten wir stetig daran, das VR Erlebnis näher an die Realität zu bringen. Zum Beispiel denken wir über die Integration von haptischen Reizen nach.

PSW automotive engineering GmbH: Traumphase/prototypenfreie Entwicklung
Durch den Einsatz von VR gestaltet PSW die Fahrzeugentwicklung effizienter und kostengünstiger.
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Kreativität ist entscheidend - sowohl in der Kunst als auch in der Vorentwicklung.

„Traumphase“ erlebt der Besucher mit all seinen Sinnen. Auch Mobilität ist von Synästhesie, also der Stimulation mehrerer Sinne auf einmal geprägt. Welche Herausforderungen in der Entwicklung bringt das mit sich?

Isabel: Das Fahrzeug wird empathisch. So wie bei der „Traumphase“ die Kunst auf die Musik reagiert, wird das Fahrzeug auf den Kunden reagieren. Einfaches Beispiel: Ein Kunde kommt gestresst vom Büro und will nach Hause fahren. Das Fahrzeug erkennt automatisch den erhöhten Stresslevel, dimmt das Licht, spielt ruhige Musik und die Sitzmassage legt los. Die Herausforderung in der Entwicklung ist es, diese erhöhte Komplexität und die Interaktion von Funktionen ins Fahrzeug zu integrieren.

Die rechte Gehirnhälfte gilt als die kreative, die linke hingegen als die logische. Welche überwiegt bei euch?

Mike: Also bei mir ist es ganz klar die rechte. Ich war schon immer ein visueller Typ und denke viel in Bildern.

Isabel: (lacht) Interessante Frage. Bei mir ist es glaube ich ganz gut ausgeglichen.


Sie möchten "Traumphase" mit Beate Diao, Paula Gendrisch, Mike Herbig, Markus Jordan, Claudius Konrad und Stephan Windischmann selbst erleben? Karten sind hier erhältlich: traumphase.net

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