Automatisiertes Testen

Eigene Softwareentwicklung steigert Messqualität

25.000 Wiederholungen bei Temperaturen zwischen -30 bis +80 Grad: Was nach einem extremen Workout klingt, ist eigentlich eine Systemprüfung, die jede Fahrzeugheckklappe bestehen muss, bevor sie in die Serienproduktion geht. Beim Klimakammerdauerlauf (KDL) öffnet und schließt sich die Heckklappe 25.000 Mal. Während des Tests wird die Klappe extremen Temperaturen ausgesetzt, um sicherzustellen, dass sie auch in Ausnahmesituationen tadellos funktioniert.

Diese Systemprüfungen führt PSW schon seit vielen Jahren gemeinsam mit Partnern durch. Bisher war die Durchführung der Tests immer relativ aufwendig. Die Heckklappe wurde in einer Klimakammer platziert und ein externes Gerät hat im Sekundentakt den Öffnen- und Schließvorgang bei einer vorher definierten Temperatur ausgelöst. Damit war ein Testlauf abgeschlossen.


Der Messtechniker musste den Test über die komplette Laufzeit betreuen, weil er zu den definierten Temperaturen Zwischenmessungen durchführte. Der Techniker überprüft zum Beispiel, ob die Klappe richtig geschlossen hat und ob die Antriebsströme beim Testlauf stabil gewesen sind. Ein großer Nachteil bei diesem Verfahren ist, dass der Techniker dadurch nur die Daten eines Messpunkts hat und nie den Gesamtüberblick des Dauerlaufs einsehen kann.

Automatisiert und effizient

„Vor ungefähr anderthalb Jahren ist die Idee entstanden, diese Messungen effizienter und qualitativ hochwertiger zu gestalten, indem wir die Tests automatisieren“, erzählt Roy Noack, Ingenieur für Elektrifizierung und Messtechnik. „Dazu haben wir das System, das für die Öffnen- und Schließvorgänge zuständig ist, mit Messtechnik ausgestattet, wofür wir dann auch eine eigene Software entwickelt haben.“

PSW automotive engineering GmbH: News - Automatisiertes Testen
PSW-Ingenieur Roy Noack mit dem System, das er und seine Kollegen zusammen entwickelt haben.
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Das System misst über den gesamten Dauerlauf u.a. die Spannung und Neigung der Heckklappe.

Roy und seine Kollegen haben die Bedienoberfläche und die Logik programmiert, zudem haben sie auch die Datenverwaltung und die Auswertung entwickelt. „Insbesondere die Programmierung der Bedienoberfläche war sehr aufwendig“, sagt Roy. „Aber durch die Entwicklung schaffen wir einen echten Mehrwert. Mit dem neuen System ist die Qualität der Messungen viel besser, weil wir über den gesamten Dauerlauf durchgängige Messdaten erhalten. Die Messungen sind also nicht mehr punktuell und wir müssen die Auswertung auch nicht mehr manuell machen.“


Durch das automatisierte Testen ist es auch nicht mehr notwendig, dass eine Person den Dauerlauf die ganze Zeit betreut. Nachdem der Testaufbau abgeschlossen ist, führt das neue System die Messungen selbstständig durch und nach Abschluss der Tests, können die PSW-Ingenieure die Messdaten auslesen.

Vorausgedacht

„Bisher handelt es sich noch um einen Prototypen“, sagt Roy. „Wir arbeiten noch an einigen Details, doch bald wird das System auch im Einsatz sein.“ Und die Ingenieure blicken schon nach vorne: Eine weitere Ausbaustufe könnte es sein, dass man mit dem System auch Körperschallmessungen durchführen kann. Beim Öffnen und Schließen der Heckklappe darf nur ein leises Surren zu hören sein, was bisher durch das menschliche Gehör beurteilt wird. Roy und seine Kollegen arbeiten daran, entsprechende Technik in das System zu integrieren, damit auch diese Tests automatisiert erfolgen können. „Eine Zukunftsvision, die uns antreibt, ist die Vernetzung aller Prüfstände“, sagt Roy. „Dann können wir jeden Dauerlauf von PSW aus steuern.“

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